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Old Erv

 

Ein kleiner Weg, aus weißem Sand, führt mich durch den Garten. Eine Böe scheint mich begrüßen zu wollen und fährt durch Strauch und Zweig. Sie wiegen sich sacht und schütteln ihre Blüten ab, die sich langsam und zögerlich drehend sammeln und wie ein Schleier als Vorhang zu Boden gehen. Ein Vogel singt nur für mich sein Lied, von Liebe und  Sehnsucht nach der Einen. Man muss es ihr lassen, sie hat eine Oase geschaffen hier in der Stadt. Flucht oder Ruckzugsmöglichkeit? Ich weiß nicht. Sie aber macht es den Blüten gleich und geht auf wenn sie über die schmalen Wege schwebt, die sich wie Puderzucker durch das Grün winden.

Doch sie hat nichts gemacht, sie hat nur angewiesen. Den Armen Erv ausgenutzt, geschunden und gehetzt. An sieben Tagen der Woche muss er den Wünschen nachkommen und Urlaub hat er nie gehabt. Er konnte nie weg. Sie hatte Unsummen gegeben. Für den Versuch. Für die Rettung. Doch es hat nicht sollen sein. Ervs Frau war dennoch nicht zu retten. Aus Dankbarkeit schwor er nie von ihr zu gehen. Für immer bei ihr zu bleiben

Ich sehe vor mir den großen Teich, mit dem Schilf akkurat auf einer Höhe, welches einen Halbkreis bildet und so nur von einer Seite den Blick auf das kühle Nass gewährt. In ihm gefangen der blaue Himmel und die Wolken, oder der Mond und die Sterne, Und jetzt ist er mit Blut gefüllt zur Dämmerung wenn dir Sonne eines ihrer unendlich Vielen Leben aushaucht. Kein Frosch, oder Fisch stört das Bild. Nur die Steine als Bewohner des kleinen Strandes und des Wassers. Sie wollte es so. Erv musste jeden Tag mehrfach jedes Lebewesen und sei es noch so klein mit dem Käscher fischen und aus dem Garten bringen. Niemals würde er etwas verletzen, nicht mehr nachdem er sie verletzt hatte. Es waren schon 8 Jahre vergangen seitdem Ervs Frau gegangen war. Und sie waren sich näher gekommen. Sie hatten eine gute Zeit und verbrachten viele Abende am Teich und sahen zu wie ein Stern nach dem anderen in den Teich fiel und der Mond versuchte wenn auch langsam zu entkommen und es immer wieder schaffte. Doch an dem einen Abend als sie ihn bat von der kleinen Hütte ins Haus zu ziehen und nicht mehr für sie zu arbeiten. Erv war untröstlich als er sehen musste wie ihr Herz zersprang, als er ihr erklärte, dass es für ihn immer nur die eine geben könne. Seit diesem Abend verbot sie ihm sich um das Grab zu kümmern, dass in einer Ecke des Anwesens errichtet war. Sie fing an ihn zu quälen und er nahm alles wortlos hin Doch. Abends wenn er allein mit dem Mond im Garten war, schlich er sich zu ihr und sah sie durch feuchte Augen an. Er fasste sie nie an und sprach nie ein Wort. Nur flüssige Perlen, mit gefangenen Sternen zersprangen auf kaltem Stein.

Und jetzt nach fast dreißig Jahren komme ich dazu. Sie kann nicht alleine im Haus bleiben. Ich komme morgens und gehe abends. Sie ist sehr nett zu mir, er ist sehr freundlich zu mir. Manchmal bleibe ich länger, so wie heute, sodass ich keine Zeit habe mit Erv lange zu sprechen, doch er versteht das. Er sagt immer ich solle meine wenige freie Zeit nicht hier verschwenden um einen alten Mann abzulenken. Und ich antworte immer, dass ich die Ablenkung brauche und ich noch gar nicht so alt wäre. Er lächelt, und sagt mir wortlos wie dankbar er für diese Momente ist. Er hat seinen Stolz. Er hat nicht Mehr.

Ich sehe im Winkel meines Auges wie Erv mit seinem Käscher im Wasser steht. Ein Fuß auf  einem Stein den Käscher mit beiden Händen umklammert, wie ein Jäger der am Fluss aus seine Beute wartet. Ich halte inne und gehe zum kleinen Strand. Das Blut schlägt kleine Wellen. „Wie geht es ihnen, Erv?“ Entgeistert sieht er mich an, fassungslos nur kurz und dann lange gefasst. „Es ist schon spät Doktor. Warum verschwenden sie ihre freie Zeit hier mit einem alten Mann?“ Ich lächele ihn an. „ Erv, ich habe ihnen schon so oft gesagt, dass ich mich gar nicht so alt fühle.“ Er scheint vom Stein gerutscht zu sein und kämpft um das Gleichgewicht, er gewinnt und lächelt mich siegreich und dankbar an. Er keucht ein wenig und atmet schnell. Angst kommt in mir auf. „Erv wir sollten uns morgen bei ihnen zusammensetzen, ich möchte sie gerne einmal untersuchen.“ „Das ist nicht nötig Herr Doktor, doch ich tue ihnen diesen Gefallen.“ „Gute Nacht, Erv.“ Ich gehe den breitesten Weg entlang bis zum weißen Gartentor. Erv schaut mir nach. Das gequälte Heulen des Tores durchdringt den Abend zweimal.

Sein Blick wandert zu seinen Füßen. Er blickt in ihr Gesicht. Bleich und traurig. Der Stiefel auf der Brust. Sie scheint zu schweben und ihr Bild bricht sich an der Wasserkante. Das Blut zieht wie schwerelose rote Fäden von ihrem Kopf und schlägt in kleinen Wellen an den Strand.

 

Alle rechte liegen bei mir , also Till Michalek

22.4.09 22:37


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