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06/12/02

Ich würde mir wünschen das jeder Leser dieses Lied anmacht, ehe er liest: http://de.youtube.com/watch?v=cHlf08yTPiU . Sollte dieses Video nicht mehr funktionieren dann bitte Nach Joshua Radin mit „Winter“ suchen

 

06/12/02

 

Ein Tag im Dezember. Der Himmel hängt knapp über dem Horizont, bemalt mit grauen Wolken. Die Spitzen der kahlen Bäume kitzeln einige wenige Flocken aus den dicken Luftschiffen. Sie fallen irrend vom Himmel, sich hektisch umschauend, in der verzweifelten Suche nach anderen ihrer Art. Die Luft so klar und durchschaubar nur getrübt durch meinen Atem der sich vor meinem Gesicht in spielerischer Art und Weise aufbauscht. Die ganze Familie ist zusammen gekommen. Jeder einzelne ist da. Freunde und Familie. Wie lange hat es eine solche Zusammenkunft nicht mehr gegeben. Zu wenig Zeit und zuviel Raum zwischen uns. In jeglicher Hinsicht. Oma tritt hervor und bedankt sich für die schöne Zeit.

Ein Wind fährt durch mein Haar. Berührt meine Haut so sanft und kalt, fließt in meine Klamotten und bläht sie auf. Ich möchte sie schmecken, will wissen wo sie gewesen ist: die Luft die durch meine Lungen strömt und jede Faser in meinem Körper in Spannung versetzt. Mein Kopf ist noch schwer von der Last vergangener Tage. Meine Schultern hängen unter dem Gewicht meiner Gedanken die ich mir aufgeladen habe. Die Schritte fallen mir schwer, vor Kälte und Müdigkeit. Ausgemergelt der Körper und die Seele. Sie saugen die Luft auf und hoffen auf bessere Zeiten. Opa tritt hervor und bedankt sich das alle gekommen sind und wir beisammen sind. Sehe ich nicht sogar eine kleine Träne?

Eine Träne macht in ihrem kurzen Leben nur eine Reise. Sie tritt hervor in die Welt und kann sich nur kurz an allem erfreuen was sie sieht, ehe sie hinab fällt mit der Gewissheit, dass ihr Grund Trauer gewesen ist. Der Boden ist nass und schwammig, er gibt bei jedem Schritt nach. Die verfaulenden und wenigen Blätter liegen rutschig auf den Wegen und glänzen verstohlen unter Schnee und Eis hervor, wie die Erinnerungen an vergangene Zeiten, die einfach nicht verschwinden wollen. Es wird noch dauern bis sie ganz verschwunden sind und neue Blätter an den Bäumen hängen und mit ihnen neue Erinnerungen. Eine Freundin und ein alter Freund treten hervor, sie können ihre Gefühle nicht in Worte pressen und reden wirres Zeug.

Steine stehen hier und dort und alle haben einen Namen. Niemand weiß wie sie hier hergekommen sind. Die Namen erzählen keine Geschichten, es sind die Steine selbst die wir Fragen müssen. Wir werden nie eine Antwort bekommen und doch scheint es so als ob in jedem einzelnem Worte stecken. Worte die uns nicht vergessen lassen und doch können wir sie nicht verstehen und nicht hören. Wir werden vielleicht vergessen, doch sie werden nicht. Der heute so grimmige Onkel tritt hervor, wenig überzeugend sein Dank für die schöne Zeit, merkt man doch, dass er sie schon jetzt vermisst.

Wenn Herzen etwas verloren haben was sie nicht wiederbekommen können, versuchen sie zu verstecken das ihnen etwas fehlt, sie versuchen das Loch zu stopfen und zu flicken. Doch so gute Arbeit sie auch leisten, kein noch so großer Flicken kann die Tränen und das Blut ganz und gar zurückhalten. Doch das muss es gar nicht, denn ein Herz will nicht vergessen, so sehr wir uns das auch einreden möchten. Es vergisst weder die schönen und die guten Zeiten, noch die schlechten und räudigen Zeiten. Und dann ganz am Ende ist unser Herz mit Narben, Wunden und Flicken übersät, doch stürzt es sich noch immer mit offenen Armen und Augen ins Leben auf der Suche nach den schönen Augenblicken.

Ich trete langsam nach vorne. Der Tag hat mich in fester Umklammerung und wird mich nicht mehr lassen. Die Gesichter schauen mich leer an und die leisen Worte die an mein Ohr dringen kann ich nicht verstehen. Wieder bläst der Wind und er trägt meine Worte hinfort: „Es war viel zu wenig Zeit. Warum waren wir nicht öfters zusammen? Ich weiß nicht was ich dir noch sagen soll…Ich werde dich vermissen…Ich liebe dich Papa.“ Und die Rose fällt aus meiner Hand, hinunter in das tiefe Loch und prallt laut auf das dunkle Holz, und bleibt nicht liegen…warum auch?

 

Copyright bei Till Michalek

26.12.08 20:16


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