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Mittnacht

 

Bewegte Spiegelungen in den Pfützen. Bunte Lichter malen diesige Farbkreise in die feuchte Luft. Ein leichter Nebel zieht seine dünnen Fäden durch die Straßen und scheint an den Straßenschildern und den Häusern hängen zu bleiben. Diese strecken sich gen Himmel und ihre schwarzen Fassaden lassen die Straßen wie der Grund riesiger Caynons aussehen. Der Rauch steigt zwischen den Schlitzen der Gullys empor und zerfasert in der kalten Luft. Der Gestank der Stadt ist unerträglich, doch man gewöhnt sich mit der Zeit dran. Man gewöhnt sich an alles. Die wenigen Menschen in den Schluchten haben ihren Kragen hochgestellt und rennen mit gesenktem Kopf aneinander vorbei. Getrieben von der Angst vor Blicken oder Angesprochen werden. Nur eine Gestalt wandelt langsam und ruhig durch die Nacht. Autos schweben dicht über dem Boden und lassen die Pfützen immer wieder zu kurzen Wasserwänden aufstöben. Das Hupen der weiter entfernten Straßen verwandelt das Gesamtbild in das einer großen Orgel. Die Pfeifen stehen kalt und glänzen an den Straßenrändern und jeder Ton wird begleitet durch den Wechsel der Farben von Ampeln und billiger Leuchtreklame. Ihre langen schwarzen Haare glänzen in den Farben der Schilder und nehmen dankbar jeden Schattierungston an der ihnen von der Umwelt gegeben wird. Ein kurzer Anorack um die kleinen Fäuste in den Taschen zu wärmen, ein kurzer Rock um die langen Beine zu zeigen. Die hochhackigen Lederschuhe, geschnürt bis zu den Knien hallen entlang der Gasse, in die sie eingebogen ist.

Die Mülltonnen haben leuchtende Augen und fauchen als sie vorüber geht und wenn sie sie passiert hat schieben sich die dürren Körper halb verhungerter Katzen aus den Schatten. Unter ihrer Strumpfhose schimmert die weiße Haut. Silber gefangen in feinmaschigen Netzen. Sie zieht an ihrer Zigarette und ein roter Punkt leuchtet in der Nacht und sucht sich sanft wiegend seinen Weg. Die roten Lippen zu einem Lächeln verzogen. Ihr runder Pony endet ein stück unter ihren Brauen, die fein gezogen und wie gemalt über ihren grauen Augen thronen. Ein Penner liegt halb tot in einer Lache aus Alkohol, Urin und Blut. Er grunzt und seufzt in seinen wilden und perversen Träumen, während sein Hund mit nur noch einem Auge auf der Wache liegt vor Gaunern und dem Tod.

Aus einer Disco dringt ein dunkler, elektronischer, stampfender Beat der die Straße zum Beben bringt. Synthesizer kreischen aus dem kleinen Fenster zum Hof und Blitze dringen verschämt in die Dunkelheit. Am Hintereingang verschiebt eine schlecht gefärbte Blondine Drogen an ihre Freier. Ihr Lippenstift ist verwischt, kreisförmig zeichnet sich ein Umriss auf ihren Lippen ab und sie hat ein Kaugummi um dem Geschmack des Vorgängers zu entkommen. Ihre Wimperntusche ist verlaufen und malt schwarze Schlangen auf ihre Wagen.

Sie hat sie entdeckt und stürmt auf sie zu. Geschichten und Lügen. Nichts anderes verkauft sie. Den Stoff gibt es dazu. Sie wird ignoriert, stolpert und flucht hinterher ehe sie einem Weinkrampf erliegt.

Die Zigarette liegt mittlerweile in der Gosse und kämpft um ihr Überleben. Wasser zieht durch das dünne weiße Papier und erstickt das Feuer langsam von innen heraus. Wie bei allen anderen Dingen in dieser Stadt. Sie bleibt stehen und greift in ihre Innentasche. Ein Kegel aus fahlem Licht zuckt über ihr aus einer Laterne heraus. „Du solltest nicht so viel Rauchen, Kerli.“ Die Stimme schält sich aus der Nacht und hinterlässt Kratzspuren an jeder Wand. Wie Kreide die über die Tafel gezogen wird und kreischende spuren nach sich zieht. Sie bewegt sich nicht mehr. Längst hat sie das Klicken des Hahns der Knarre gehört, dessen kalte Mündung an ihrer rechten Schläfe einen roten Abdruck hinterlassen wird. „Du bist so naiv Kerli. Ich habe dich immer beschützt und geliebt. Doch du hast mich enttäuscht. Ich habe Gnade vor Recht ergehen lassen.“ Sie versucht so ruhig wie möglich zu atmen. Ihr Arm verkrampft langsam in der Innentasche. „Gnade?“ schoss ihr durch den Kopf, während sie ihren Stumpf der einmal ihre Zunge gewesen ist, langsam an ihren Zähnen entlang zog. „Ich habe dich nur gebeten, dich nicht mehr hier blicken zu lassen. Und All die Jahre habe ich für dich gehofft, nein gebetet, dass du da wo du bist ein schönes Leben hast. Und jetzt erfahre ich letzte Woche, dass mein bester Mann tot ist. Hingerichtet durch eine „schwarze Witwe“. Du hast ihm die Eier abgeschnitten. Kerli, dass macht man nicht. Ich meine er war zwar ein Arsch, aber es gibt Grenzen. Habe Gnade. Ich habe dir doch gezeigt wie das geht oder?“ Er fährt sich durch seine schütteren und fettigen grauen Haarsträhnen, die ihm in geringer Zahl, über die immer stärker hervortretende Glatze hängen. Seine lange Nase sticht aus einem knochigen und eingefallen Gesicht dessen Augen in zurückliegenden Höhlen funkeln. Sein Grinsen ist zerbrochen durch fehlende Zähne und der faulige Geruch der verbleibenden stößt ohne Schutz in ihre Nase. „Du bist so schweigsam.“ Er begann leise zu lachen und sein fetter Bauch tanzt in seinem weißen Unterhemd, nur im Zaum gehalten durch den Gürtel seiner schwarzen Hose, dessen Leder abgewetzt im Licht der Laterne schimmert. Durch ihren Kopf schießen alle möglichen Gedanken: „Scheiße so sollte es nicht ablaufen. Eins. Ich wollte ihn mir morgen vornehmen. Acht. Wie hat er mich gefunden. Haben sie Garth gefunden? Haben sie ihn gefoltert? Dreizehn. Er hätte nichts verraten. Sie hätten ihn eher umgebracht als das er sie verraten hätte. Einundzwanzig.“ Er hatte sich beruhigt. „Weißt du Süße, diesmal kann ich nicht so nachsichtig sein. Ich kann nicht erlauben, dass du dich hier in meiner Stadt aufhältst, nachdem du mir das angetan hast. Du hast mich lächerlich gemacht vor all meinen Freunden und musstest dafür bezahlen, für das was du nicht machen wolltest. Und jetzt bezahlst du für das was du gemacht hast.“ Erinnerung an diese Erlebnisse und ihre Tat, wirbeln in Kerli allerhand Gefühle auf. Wut, Hass, Trauer und Reue steigen in ihr auf. Alles um sie herum verstummt und sie sieht aus dem Augenwinkel wie sich sein Mund bewegt. Doch kein Laut dringt heraus. Die Zeit steht nahezu still. Ihre Augen füllen sich mit Tränen. Sie schimmern plötzlich rot und in der Iris wirbeln schwarze Schleier. Das Licht der Laterne fällt wieder aus. „Siebenundvierzig“ Sie zieht ihren Kopf zehn Zentimeter nach hinten und die Kugel knallt peitschend in die Wand wo sie ein fein umstäubtes Loch hinterlässt. Mit der linken Hand greift sie nach seiner Waffenhand, während sie ihren rechten Arm rasend schnell unter seinem Ellbogen nach hoben reißt. Als sein Arm bricht schreit er laut auf, doch verstummt gurgelnd, als er den kalten Lauf aus Stahl, in seinem Mund schmeckt. Ein langer schwarzer Schalldämpfer ziert den Lauf ihrer Glock 23. Ein Pferd mit Feuermähne und Hufen springt den Lauf entlang. Eine Träne glitzert auf ihrer Wange.

Ein weiterer Schuss zerreißt die Nacht. Ein feiner roter Sprühregen geht zu Boden. Sie hebt seine Waffe auf und öffnet ihren Anorack. An der Innenseite hängen unzählige Halfter. Sie hängt erst ihre Glock und dann die aufgehobene Waffe ein. Sie zündet sich ihre Zigarette an und macht sich auf den Weg. Langsam und ruhig verhallen ihre Schritte in der Gasse.

 Ich (Till Michalek) habe das das Urheberrecht an diese Geschichte

22.1.10 21:02


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