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Ein neuer Tag

Ein Tag wie jeder andere auch. Der Zug fährt in den Bahnhof ein und die Ansage liest gelangweilt wie immer ihren Text vor. Ich bin also vorsichtig und lasse den Zug erst zum stehen kommen ehe ich mich ihm nähere und die Tür öffne. Nach den aussteigenden Passagieren die mich umströmen, folgt die Luft, welche kurz davor war sich in der Form der Abteile zu materialisieren und so ein Einsteigen unmöglich zu machen. Doch so legt sich nur ein unsichtbarer Film über meine Klamotten und mein Gesicht als ich den Wagon besteige. Jede Faser meines Körpers und mein Überlebensinstinkt drängen mich dazu den Wagen wieder zu verlassen als ich den ersten Atemzug genommen habe und erschreckt feststellen muss, dass die Luft wie klebriger Sirup in meine Lungen fließt. Doch ich kämpfe dagegen an und bewege mich im Dunst zu einer der Sitzbänke. Das zeitlose Muster der Sitzbezüge begrüßt mich auf dieselbe reizende Art und Weise wie es die Mainzelmännchen zu tun pflegten: „Guten NABEND!!!!“. Ich lasse mich auf diesen wahr gewordenen Traum aus Polstern nieder, nicht aber ohne zuvor das Fenster zu öffnen. Ich rutsche an das Fenster heran, um mir dabei eine Verbrennung dritten Grades an der wohltemperierten Heizung zu holen. Ich versuche, nun in sicherem Abstand zur Heizung, mir eine gemütliche Position zu suchen um die anstehende Fahrt gut zu überstehen.

Ich muss kurz eingenickt sein, denn der freundliche Schaffner, mit der sympathischen Lustlosigkeit im Gesicht, bittet mich, anscheinend nicht zum ersten Mal und deswegen noch unfreundlicher als sonst, um das Vorzeigen meines Fahrscheins. Nachdem ich der Bitte nachgekommen bin schaue ich ihm noch eine kurze Zeit hinterher und bin kurz davor mich in dem Gedanken, darüber wie wunderbar dieser Tag ist, zu verlieren, als mein Blick auf einen leicht ergrauten und ehemals dunkelhaarigen Herren fällt, der sich auf die Sitzbank schräg, rechts vor mir gesetzt hatte. Die kurz geschorenen Haare machen deutlich, dass die Geheimratsecken immer größer werden, ja sie unterstützen diese Tatsache sogar noch. Die Statur ist hager oder auch dürre. In ein rotes Leinenhemd und eine hellblaue Jeans verpackt. Die Wangenknochen deutlich zu sehen und die Nase äußerst markant und kantig im Gesicht. Die Augen grau-blau und sie fixieren… mich. Aus dem Schreck heraus schaue ich unbeholfen aus dem Fenster. Die Bäume rauschen vorbei und ein See der langsam beginnt zuzufrieren liegt neben den Gleisen. Nach einiger Zeit sehe ich erneut herüber und muss feststellen, dass ich immer noch gemustert werde. Der Mund hat sich jetzt zu einem unscheinbaren Lächeln verzogen. Spottend wirkt es auf mich. So einer bist du also. Ich setze mich etwas aufrechter hin. Immerhin soll der gute Herr ja was sehen können. Ich fahre mir einmal durch die Haare, streiche mir durch meinen Vollbart im Wachstum nur um dann ganz lässig die Hände auf die Knie zu legen und ebenfalls zu einem Grinsen anzusetzen. Doch er hat sich abgewendet, blickt jetzt aus dem Fenster, auf die rauschenden Bäume und was sonst noch da ist. So schnell ging das? So schnell hast du dir deine Meinung gebildet?  Was hat dich denn so amüsiert? Waren es die langen Haare, die deiner Meinung nach nur zu Frauen passen? Oder doch meine Klamotten die nicht mehr deinem uralten Standard entsprechen? Was soll ich denn dann sagen? Die Jeans mit dem Gürtel knapp unter dem Kinn zusammen gebunden. Das weinrote Hemd ausgewaschen und mit Knöpfen die nicht einmal im Ansatz so aussehen wie Bernstein was sie imitieren zu versuchen. Die Brille mit dem dünnen Rand, ganz gelehrt schaust du aus. Was machst du denn jetzt? Aha schlauer Schachzug. Du nimmst dir ein Belegtes Brötchen aus der Tasche. Und dann wieder dieser lächelnde Blick rüber zu mir diesmal schon fast  lachend. Ja ich muss dieses Brötchen essen wollen nicht wahr? Weil ich ein dicker Junge bin, ganz toll. Was ist denn drauf auf dem Brötchen? Ich habe den ganzen Tag Hunger und will immer nur Brötchen essen. Ich weiß ich sollte mich schämen, dass ich soviel Platz für mich beanspruche. Es tut mir leid! Ist es das was du hören möchtest? Iss doch dein Brötchen und erstick daran du Diskriminator du. Ich wende mich ab ehe er merkt dass ich mich aufrege. Wieder schaue ich raus auf die Bäume und Straßen die vorüber fliegen. Doch auch das kann mich nicht davon ablenken, wie dieses Gefühl in mir aufsteigt…Verdammt! Ich will dieses Brötchen!

Aber dieses Spiel kann man auch zu zweit spielen. Ich greife in meine Tasche und hole meinen MP3 Player heraus. Friss das! Jaha die Technik schlägt zurück! Wir leben im 21.Jahrhundert, Opa… Ich verfluche die Tatsache das ich nicht Slipknot oder Bushido oder sonst wen auf dem Player habe, um diesem Fossil den Rest zu geben. Ja die Jugend von heute nur noch Krachmusik und Fäkalien-Sprache. Ich wage es dennoch ich drehe den Player auf die höchste Lautstärke und lasse mir einen zufälligen Song abspielen. Es läuft mir kalt den Rücken runter, als er wie in Zeitlupe ebenfalls in seine Tasche greift. Und so werde ich Zeuge wie sich mein Widersacher die Kopfhörer von seinem iPod Touch mit 25 GB in die Ohren steckt, während mir die Backstreet Boys mit „Incomplete“ das Trommelfell penetrieren.

Auch diese Runde geht an dich, aber den Kampf hast du noch nicht gewonnen. Er hat seinen Konter auch noch unterstützt durch das Aufschlagen eines Buches. Sehr geschickt! Wie wünschst du es dir? Das ich im Angesicht eines Buches, vor lauter Angst eine Fackel und eine Heugabel hervorziehe und in unverständlicher Sprache über dieses Teufelswerk schimpfe? Aber nein, das werde ich nicht tun, im Gegenteil ich werde dir zeigen wo der Hammer hängt. Jetzt wird dir deine Häme im Halse stecken bleiben. Ich weiß nur noch nicht welches Buch ich nehme? „Einführung in die Logik der Sprache“? Oder doch lieber  „Logisch- semantische Propädeutik“? Egal ich werde dir auf jeden Fall das Grinsen aus dem Gesicht wischen und das im Philosophischen Stil. Ich greife also in meine Tasche und ziehe ein Buch hervor, ohne den Blick von ihm zu nehmen. Ich beobachte ihn genau. Seine Mimik verrät nichts und so muss ich, während ich die ersten Seiten des Lustigen Taschenbuchs Band 256 durchblättere, hoffen das mein nächster Schachzug erfolgreicher sein wird. Ich muss nachdenken. Einige Zeit starre ich aus dem Fenster und sehe Bäume die vorüber hasten. Ich brauche etwas damit er sich noch lange an diesen Tag erinnern wird. Er darf nicht gewinnen. Sonst gewinnt meine Oma und auch meine Mutter. Nein, dieser Tag darf nicht heute sein! Ich sehe wieder zu ihm herüber. Doch was ist das? Das Buch in der Tasche verschwunden, die ockerfarbene Wildlederjacke über den Schultern schickt er sich an auszusteigen.

Er kommt auf mich zu und wieder ist die Fratze der Überheblichkeit in seinem Gesicht. Mit großen Schritten nähert er sich. Aber nicht heute mein Freund, nicht hier. Ich habe auf dich gewartet! Sag etwas und wirst sehen wozu die dunkle Seite der Bahn in der Lage ist. Ich habe mir soviel für dich ausgedacht. Deine Brille, deine Hose oder deine Nase wird mein Opfer werden. Das ist es: Die Nase! Ich werde dir deine so sehr vermiesen dass dir Hören und Sehen vergeht, so dass du wieder nur auf deine Nase zurückgreifen kannst, aber die habe ich dirja vermießt. Jaha! Wie bitte? Das ist Wahnsinn? Nein! DAS IST Anderten- Misburg Richtung Hildeseheim!

Sein Mund öffnet sich und ich bin bereit zu hören was er zu sagen hat. Der ganze Tag kann gerettet werden, nur durch diesen Moment. Ich grabe entspannt meine Fingernägel in das Polster der Bank. Ja genau diese Bank die mich so frech begrüßte. Ich beginne zu schwitzen, die Heizung ist eindeutig auf seiner Seite. Die Sirup-Luft will durch meine Atemwege wieder ins Freie. Doch ehe ich etwas sagen kann, verlassen die Worte seinen Mund: „ Entschuldigen sie bitte, aber ihr Hosenstall ist offen.“ Er schwebt geradezu an mir vorbei und tritt ins Freie, in dem ich seit Anbeginn des Tages stehe. So ein Arsch !

 

Die Geschichte ist meins also Copyright bei Till Michalek

28.11.08 22:55
 


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bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


sheep (29.11.08 07:24)
Noch etwas hier und da sprachlich verfeinern, resp. etwas abspecken und ....dann auf jeden Fall weiter schreiben!!!!
Ich denke , wenn der Schreiberling ernsthaft dies weiter verfolgt...dann könnte er ein sehr guter Erzähler werden....!!!
:O)

lG
U.

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