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Schranke

 

„Schranke“ erhob sich aus seinem Sessel und ächzte leise aufgrund der Anstrengung. Sein treuer Schäferhund würdigte dies mit keiner Regung, nur die Augen verfolgten wie sein Herrchen langsam zur Garderobe schlurfte und sein Ölzeug vom Haken nahm. Blitze zuckten über den Himmel und der Regen bildete einen sanften und scheinbar undurchdringlichen Vorhang. Schranke blickte nach draußen und seine blauen Augen, in tiefen Höhlen sitzend, wanderten dann gleich zu Tito. „begleitest du mich?“ fragte er wie immer, mit tiefer und kratzender Stimme. Er öffnete die Tür und sogleich hörte man das Grollen des Donners und auch der vermeintlich ruhige Regen verwandelte sich in ein Ohrenbetäubendes Prasseln. Der Wind stieß die Tür weiter auf als Schranke es gewollt hatte und knallte mit Wucht gegen die Wand. Tito erschrak und hob jetzt endlich seinen Kopf. Nun erhob er seinen dürren Körper und trottete langsam zur Tür die jetzt wieder fest in Schrankes Hand lag. Beide traten hinaus und stemmten sich gegen den Wind der hier noch viel stärker schien. Langsam bahnten sie sich den Weg durch den kleinen Garten und näherten sich dem Tor. Sie wanderten das kurze Stück bis zum Bahnsteig. Wie schon tausende Mal zuvor ging Schranke zu dem kleinen Kasten der an dem Telefonmasten angebracht war und schloss ihn dann mit dem größten Schlüssel an seinem Bund auf. Die Tür ließ sich nur schwer öffnen und zum Vorschein kamen mehrerer Knöpfe. Er legte den ersten um und sofort leuchtete eine Lampe rot auf und schimmerte so durch die Tropfen. Dann der zweite Schalter und die beiden alten vermoderten Schranken begannen unter lautem Quietschen und Geächze sich herabzusenken. Tito der bis hierhin ruhig gewesen war spitzte plötzlich seine Ohren und begann lang und laut zu jaulen. Schranke schmunzelte: „Ja mein Lieber, gleich kommt er…“

Schnaufend und stampfend nähert er sich durch die Nacht und sein Pfeifen durchdringt die Luft, den Regen und jedes Mark. Sein langer Körper schlängelt sich schnell und rasend durch die Wiesen, der Boden beginnt zu vibrieren und die Lampe glüht deutlich weniger und verlischt fast gänzlich, jedoch bevor dies geschieht schießt er vorbei und die Luft wird mitgerissen und zieht sich hinter ihm her wie ein Schleier der feucht in der Dunkelheit verschwindet. Die Lampe erleuchtet wieder in voller Helligkeit und Titos Heulen verstummt so schnell wie es begonnen hat. Schranke legt die Schalter um und schaut zu wie sich die Hölzer gen Himmel recken um dann mahnend und starr in der kühlen Schwärze zu verharren, wie zwei hagere und groteske Männer.

„Das war der vorletzte für heute…“ Sie gehen gemeinsam die Straße entlang und er hört es wieder. „Schranke du Museumsstück!“, „Stirb endlich alter Man, damit wir eine richtige Schranke bekommen!“. Sie lachen ihn aus weil er bei jedem Wetter sein gelbes Ölzeug trägt und noch immer keinen Gedanken daran verschwendet seine Arbeit aufzugeben. Sie schmeißen Steine durch seine Fenster und auch nach seinem Hund. Vielleicht ist das der Grund warum er nachts und bei diesem Wetter seine Arbeit am liebsten verrichten. Seit 32 Jahren wohnt er in der kleinen Hütte und legt die beiden Schalter um, 7 Mal am Tag. Tito bekam er vom alten Bürgermeister nach 15 Jahren geschenkt, als Dankeschön für eine lange Unfallfreie Zeit. Doch als der starb, begann sich das ganze Dorf gegen ihn zu wenden. Sein lächerliches Gehalt sollte gestrichen, das Haus abgerissen und eine moderne Bahnanlage errichtet werden. Doch Schranke weigerte sich aufzuhören.

Einige Kilometer weiter hatten sich ein paar Jugendliche an einem kleinen Tümpel versammelt und rauchten die gestohlenen Zigarren und den gestohlenen Schnaps mit dem Wissen das beides am nächsten Morgen für Ärger sorgen würde. Einige aufgespannte Planen boten ein behelfsmäßiges Zelt unter dem sie Schutz vor dem Regen suchten, aber nicht gänzlich fanden. Sie lachten und johlten und sie nahmen nichts war außer das Feuer das sie gemacht hatten und den Mädchen die sie mitgenommen hatten. Alle waren heiter, bis ein lautes Heulen die Stille zerriss. Die Mädchen erschraken und nach einigem Drängen der Jüngsten machten sie sich auf mit zwei der stärksten Jungen auf den Heimweg. „Scheiß Töle“, „Die Schranke macht uns alles zunichte!“ bellten sie in die Nacht. Sie leerten die letzten Schnapsflaschen und kamen zu dem Entschluss der Schranke noch einen Besuch abzustatten. Sie wankten die Straße entlang. Versuchten sich an Rauchringen und sammelten Steine auf, mit denen sie die Scheiben einwerfen wollten und wenn sie Glück hatten auch den Hund noch einen mitgeben konnten. „Schauts euch diesen an!“ rief der eine und reckte einen besonders Großen in die Luft. „Den schmeiß ich der Schranke direkt an den Kopf.“

Das Ölzeug hing nass am Haken und die Tropfen klatschten in eine kleine Pfütze. Der Kamin knisterte und das Zimmer war in eine Farbe getaucht, wie sie morgens zu sehen ist wenn die Sonne entlang des Horizonts sich ihren Weg in den Himmel schneidet. Schranke lehnte sich in seinen alten Sessel zurück und schloss die Augen. Tito legte sich zu seinen Füßen und ein Lächeln verzog die Lippen von Schranke während er ruhig atmete. Seine Hände lagen schwer und kräftig auf den Lehnen. Die Schultern wie auf hoher See hoben und senkten sich. Die Nasenlöcher immer wieder geweitet um den Qualm seiner Pfeife auszustoßen Der Regen zeichnete große zittrige Kreise auf die Scheiben. Der Himmel wurde immer wieder geteilt von den weißen und grellen Blitzen die begleitet wurden von lautem Donnern die die Gläser im Regal zum leisen Klirren veranlassten. Die Zeit verging.

Tito öffnete die Augen. Er erhob sich rasch und marschierte zum Fenster. Er wurde unruhig und hetzte zur Tür, unruhig begann er herumzutänzeln, scheinbar unsicher was zu tun sei. Schließlich setzte er sich und begann laut und jämmerlich zu heulen.

„Gleich sind wir da…“ Die Jungen brauchten aufgrund des Wetters und des Schnaps sehr lange für den Weg, die Zeit vertrieben sie sich mit albernen Spielchen und Kraftproben. Dann plötzlich hörten sie wieder das Jaulen und sie wurden ganz still und drehten sich rasch herum in die Richtung aus der es kam. „Wieder dieses Vieh!“ schrie einer und begann sofort so schnell wie es ihm möglich war zu laufen, die anderen johlend hinterher. Der erste stolperte plötzlich und mit einem dumpfen Schlag blieb er liegen. Die anderen brachen zunächst in lautes Gelächter aus und eilten zu ihm. Sie wollten ihm aufhelfen und griffen seine Arme und seinen Kopf, dann schnellte der erste laut keuchend zurück. Seine Hand hielt er mit großem Schrecken vor sein Gesicht und im Bruchteil des Blitzes sahen alle die rote Flüssigkeit von seiner Hand tropfen. Sie sahen jetzt auch, dass er über einen schmalen eisernen Träger gestolpert war. Seine Augen, klar und kalt, starrten in den Himmel. Die anderen bekamen es mit der Angst und ließen ihn zurück. Er blieb allein zurück und zwischen dem Dampf seines Atems sah er zwei schlanke und hagere Männer die mahnend und starr in der Nacht standen. Sie grinsten ihn böse an und kamen nicht herunter um ihm zu helfen. Ein rotes Schimmern legte sich in die Luft und das Jaulen wurde lauter und wilder und wechselte in ein Stampfen und Schnauben und wurde schriller und schrie dann nur noch… Dann brach es aus der Dunkelheit und nahm den Jungen mit.

Tito jaulte nicht mehr als er zu seinem Herrchen trottete und sich auf seine Füße legte. Er winselte leise. Die Pfeife war zu Boden gefallen und die Asche war kalt auf dem Teppich verbreitet. Die Hände lagen schwach auf den Lehnen. Die Schultern ruhten im Sessel und die Lippen waren zu einem Lächeln verzogen

 

Alles meins, sprich alle Rechte liegen bei Till Michalek

7.3.09 12:02
 


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