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Die Zeiten werden sich ändern

 

Die Sonne stand hoch am Himmel. Wie ein großer runder Flicken auf einem blauen gespannten Stoff, mit ausgewaschenen Flecken bei genauerem Hinsehen, Wolken.

Johnny lag im Gras und kaute langsam auf einem Grashalm, den Strohhut tief ins Gesicht gezogen. Sein nackter Oberkörper braungebrannt von der Sonne glitzerte im Licht, der Schweiß rann über seinen austrainierten Oberkörper, wie kleine Flüsse, in die Rillen seines Bauches. Die große glänzende Gürtelschnalle hatte sich der Hitze angepasst und glühte förmlich und die Luft zitterte über ihr. Seine Jeans mit dem weiten Schlag war dreckig und hatte an beiden Knien sorgsam ausgefranste Löcher. An den gekreuzten Füßen trug er hellbraune Stiefel mit aufwendig gestickten Mustern. Die Frösche aus dem nahe gelegenen Tümpel sangen ihr lautes Protestlied gegen die Hitze, nur unterbrochen von dem gelegentlichen Platschen, wenn sich wieder einer von ihnen von seinem Seerosenblatt ins Wasser fallen ließ.

 

Ein langsam lauter werdendes Motorengeräusch brachte Bewegung in Johnnys Körper. Er erhob sich langsam und klopfte sich den Staub von der Hose. Der zunächst noch Widerstand leistet und dann doch fein und wirbelnd zu Boden fiel. Er hob seinen beim Aufstehen herunter gefallenen Hut vom Boden und setzte sich ihn wieder auf. Die langen, welligen dunkelbraunen Haare fielen ihm über die Schultern und bis hin zu den Blättern. Seine Kotletten waren scharf gezogen und unterstützten sein markantes und eckiges Kinn. Er blinzelte in die Ferne und hob seine Hand zum Schutz vor der Sonne.  Ein blauer Pick- Up bahnte sich langsam den Weg auf den Hügel, ohne dabei ein Schlagloch auszulassen. Er zog eine lange Wolke hinter sich her die sich nur langsam legte und so wieder den Blick auf die roten kahlen Berge freigab die als Schablone aus der Weite empor ragten. Johnny schaute sich um zu seinem alten Truck, den er unter ein paar Bäumen geparkt hatte. Der rote Lack war schon an vielen Stellen abgeplatzt und begann dort zu rosten. Melina saß still auf dem Beifahrersitz den Kopf schräg gelegt die Atmung ruhig und gleichmäßig. Mittlerweile war der Blaue angekommen und hielt einige Meter vor Johnny. Und die Frösche platschten in das kühle Nass.

 

Der etwas dickliche Sheriff ächzte ein wenig als er sich aus dem Wagen heraus schälte. „Hallo Johnny!“ rief der kleine Mann ihm entgegen. Johnny nickte ihm zu und lächelte freundlich. „Ich dachte ich komme mal raus und schaue wie es euch geht.“, er war zu Johnny gegangen und gab ihm die Hand. Er blickte jedoch an ihm vorbei zum Roten und versuchte angestrengt etwas zu erkennen. „ Ihr war etwas warm, da hat sie sich lieber in den Schatten gesetzt.“ Er hatte natürlich mitbekommen, dass sein Interesse nicht vorrangig ihm galt. „ Ist ja auch eine Hitze.“ Der Sheriff spuckte aus und verfehlte die hellbraunen Stiefel nur knapp, merkte dies jedoch nicht. Er drehte sich zum Tümpel und ging langsam auf ihn zu. „ Wart ihr schon drin?“ „Nein, nicht in der Mittagssonne, ist gefährlich dann.“ Johnny blickte mit blauen Augen unter der Krempe seines Hutes hervor und ließ den Sheriff nicht aus den Augen. „ Das gefällt mir an dir, Johnny. Ich war zuerst dagegen, dass du mit meiner Melina ausgehst, doch du sorgst einfach gut für sie und das weiß ich zu schätzen. Ganz besonders weil du es ja ganz anders kennst.“ Er hielt einen Moment inne, als ob er abwägen müsste was er als nächstes sagen würde. Dann entschloss er sich zurück zu Johnny zu gehen und legte seine Hand durch den Größenunterschied fast mühsam auf seine Schulter. „Ich weiß was dein Vater dir angetan hat. Doch ich sage dir habe nur Geduld, bald bist du alt genug um mit Melina hier weg zu gehen und dein eigenes Leben zu führen. Eine Familie zu gründen und gut für sie zu sorgen. Die Zeiten werden sich ändern.“ Johnnys Herz durchfuhr ein kurzer bittersüßer Schmerz, bei dem Gedanken an seinen Vater. „ Ja bestimmt.“, sagte er dennoch mit einem ruhigen und netten Ton. Der Sheriff schaute noch einmal nach dem Roten und schaute angestrengt in das kleine Führerhäuschen. Sie schien zu träumen, denn sie bewegte sich unruhig. Dann endlich lächelte er Johnny noch einmal zu und ging wieder zu seinem Wagen. „Bring sie mir nicht zu spät nach Hause. Ihre Mutter wird sonst ganz krank vor Sorge“ rief er Johnny durch das geöffnete Fenster zu, als er den Wagen wendete und dann hinter einer Staubwolke verschwand. „ Die Zeiten haben sich geändert…“ Johnny blickte dem Sheriff hinterher, kalt. Er wartete noch einige Momente, bis der Klang des Motors sich mit dem Summen der heißen Luft so vermischte, dass man keinen Unterschied mehr ausmachen konnte.

 

Seine Lippen waren jetzt wie ein Strich, brutal durch das Gesicht gezogen und er begann seine Zähne aufeinander zu pressen, seine Wangenmuskeln tanzten zusammen mit Schatten und Licht. Er ging schnellen und kräftigen Schrittes auf den Truck zu. Ein kurzer Blick auf die Ladefläche, ein großer, schwarzer Sack mit den Proportionen vom Mensch. Der bittersüße Schmerz durchfuhr ihn ein letztes Mal: Vater! Er riss die Tür auf und griff in das dichte und blauschwarze Haar, um ihren Kopf so gewaltsam zu sich zu reißen. Tränennasse Augen starrten ihn in Panik an und durch das dicke graue Tape über ihrem Mund drangen dumpfe und durch Spucke gurgelnde Laute der Angst. „Die Zeiten ändern sich, Melina.“ Er nahm sie über die Schulter und ging auf den Tümpel zu. Das Schilf der einzige Zeuge. Schlanke und armlose Zuschauer, wiegten ihre Köpfe im Wind, mit Wissen über das Bevorstehende und Unausweichliche. Das Protestlied der Frösche wurde unterbrochen durch das Platschen…

 

Alle Rechte dieser Geschichte liegen bei Till Michalek

2.4.09 15:38
 


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bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


uncle habogh (17.4.09 17:13)
düster mit überraschenden ende. gut durchdachter aufbau!
Gruß aus Bärstadt
H.
p.s:

öffentlicher Freitod
morgen dürft ihr mich mal brennen lassen
mit Harz getränkt, da brenn´ ich sicher gut
das Feuer zischelt laut bei meinen Massen
das Fett tropft krebserregend in die Glut
das Fleisch verbrennt, mein Geist ist nicht zu fassen
ich komme wieder! in roter, blinder wut

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